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am 2. September 2016

Nachlese: Grüne Sommerakademie 2016

Veronika Hintermair - Ein Bericht von der Grünen Sommerakademie 2016 auf der Friedensburg Schlaining im Südburgenland

Kriege brechen nicht aus, sie werden geplant und begonnen und sind auch immer ein Geschäft. Die Auswirkungen von Krieg auf die Zivilbevölkerungen erleben wir über die aktuelle Flüchtlingswelle und das europäische Problem des ungleichen Wertverhaltens der politischen VertreterInnen bestimmter Staaten. Es wird mit Worten und Taten aufgerüstet, Grenzen werden gezogen und obdachlos gewordene Menschen vertrieben. Krieg ist immer auch ein Geschäft, unter Einsatz von militärischen, ökonomischen und informationstechnischen Hebeln – egal ob es um Ressourcenkrieg, Territorialkrieg, Landraub oder Krieg gegen Terror, Überwachung und Big Data geht. Kanonen sind „heilig“ und Kollateralschäden werden hingenommen – unbeteiligte Menschen werden auf grausame und unwürdigste Art zu Opfern in ihrem Heimatland.

Die Friedensburg Schlaining gilt seit 1983 als international bekannter Referenz-Ort für gewaltfreie Konfliktbearbeitung. Der gesellschaftliche Anspruch und der Basiswert der Gewaltfreiheit der Grünen vereinte ReferentInnen und TeilnehmerInnen dieser Sommerakademie zu Diskurs und Dialog.

Aus den von mir besuchten Workshops möchte ich kurz berichten:


1. Feministische Friedensforschung

Gewalt ist ein zentraler Begriff in der Friedensforschung. Gewaltverhältnisse, -strukturen und -diskurse entstehen, wo asymmetrische Verhältnisse bestehen. Auch in Österreich nehmen asymmetrische Verhältnisse leider wieder zu – sie zeigen sich in der Verteilung von Macht, Positionen, Arbeit und Geld. Meine Beobachtung: Reproduzierende Arbeiten werden wieder mehr den Frauen aufgeladen, ohne Anspruch auf partnerschaftliche Teilung durch Angebote aus der Wirtschaft an die Männer.

Auf Gewalt zu zeigen, heißt immer, Machtverhältnisse in Frage zu stellen. Feministische Perspektiven verstehen Gewaltfreiheit als Zusammenhang zwischen privat und öffentlich, als prozesshaft und daher auch veränderbar. Feministische Visionen vom Frieden sind inklusiv, expansiv und transformativ. Sie provozieren Störung und erzeugen Dissens.

Was kennzeichnet eine feministische Perspektive auf Krieg und Frieden?

​Mainstream​Feministische Perspektive
​Fokus staatliche Gewalt​ Mehrebenenanalyse v. Gewalt
enger Gewaltbegriff weiter Gewaltbegriff
Neutrale Individuen als AkteurInnen AkteurInnen - sozial eingebettet
Trennung öffentlich/privat,
Außen- und Innenpolitik
Kontinuum öffentlich/privat,
Außen- und Innenpolitik
Isolation von Gewaltereignissen Kontinuum v. Gewaltverhältnissen


Themen der feministischen Friedensforschung

  • Sexualisierte Gewalt in Konflikten
  • Frauen- und Menschenrechte
  • Militär als maskuline Institution
  • Geschlecht, Gewalt und Nation/alismus
  • Frauen als Opfer, Männer und Frauen als TäterInnen

Wenn wir die Vorstellung überwinden wollen, dass Gewalt funktioniert, dann müssen wir die außergewöhnliche und komplexe, ideelle und materielle Infrastruktur demontieren, die zur Aufrechterhaltung einer Welt da ist, einer Welt, in der das Funktionieren von Gewalt als selbstverständlich gilt.


2. Projekt des Gelingens – Friedenspolitik in Europa

Soziale Ungleichheiten, steigende Arbeitslosigkeit und die Folgen der Globalisierung führen zu Spannungen in Europa, die unser Zusammenleben gefährden. Doch gerade auf EU-Ebene werden viele Maßnahmen für ein gutes, friedliches Zusammenleben gesetzt. Dr.in Monika Vana ist unsere österreichische Vertreterin als Mitglied des Europäischen Parlaments, Greens/EFA.

Zwei Thesen veranschaulichen kurz die Bedeutung der Arbeit in und für ein geeintes Europa:

  • Die Europäische Integration ist trotz struktureller und politischer Unzulänglichkeiten das größte Friedensprojekt des 20.Jahrhunderts. Es erhebt sich die Frage: Was können wir tun, um es für das 21. Jahrhundert zu erhalten und auszubauen?
  • Die EU trägt auf verschiedensten Ebenen zur Schaffung von Frieden bei – von diplomatischen Aktivitäten bis zur finanziellen Unterstützung von Programmen und Projekten. All diese Aktivitäten benötigen das Engagement der BürgerInnen und der Zivilgesellschaft, um nachhaltig zu wirken. Auch bereits Erreichtes ist durch aktuelle Entwicklungen (Neo-Liberalismus, Brexit, mangelnde Transparenz, Zunahme von autoritären Tendenzen in immer mehr EU-und Nicht-EU-Staaten) gefährdet.

Derzeit sind z.B. folgende Projekte gefährdet:

  • Beitrittsverhandlungen mit Mazedonien: Internationale Beobachtung (u.a. bei Wahlen) ist notwendig.
  • Irland: Friedensprogramme aus Mitteln des EFRE sind derzeit durch den „Brexit“ gefährdet.
Von der Sicherheits- zur Friedenspolitik
"Maria Immaculata" empfängt die Gäste
Frauen arbeiten international am Friedensprojekt
Friedensburg Schlaining, Südburgenland
Vertretung aus dem Innviertel - Lukas Oberwagner, Ried i.I. und Veronika Hintermair, Andorf
Veronika Hintermair, Monika Vana, Maria Schartner-Ploier
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